Wer Italien kennt, kennt ihn: den Aperitivo. Am späten Nachmittag oder frühen Abend trifft man sich in einer Bar, bestellt einen Spritz, ein Glas Wein oder einen alkoholfreien Aperitivo und lässt den Tag gemütlich ausklingen. Dazu gibt es Oliven, Chips, kleine Häppchen oder andere Snacks.

Doch der Aperitivo ist in Italien weit mehr als ein Getränk vor dem Abendessen. Er ist ein Stück italienische Alltagskultur – und vor allem in Mailand hat sich daraus eine regelrechte Tradition entwickelt.

Aperitivo: Zeit zum Ankommen und Zusammensein

Das Wort aperitivo kommt vom lateinischen aperire, also „öffnen“. Gemeint ist ursprünglich ein Getränk, das den Appetit anregen und auf das bevorstehende Essen einstimmen soll.

In Italien hat der Aperitivo aber eine zusätzliche soziale Funktion. Nach der Arbeit trifft man Freunde oder Kollegen, unterhält sich, trinkt etwas und nimmt sich bewusst Zeit, bevor der Abend weitergeht.

Typisch ist die Zeit zwischen etwa 18 und 20 Uhr. Man geht nicht einfach etwas trinken – man geht fare un aperitivo.

Und genau darin liegt ein wichtiger Unterschied zur Bar-Kultur in anderen Ländern: Beim Aperitivo geht es nicht nur darum, was im Glas ist. Es geht um Geselligkeit, Begegnung und Lebensgefühl.

Mailand – die Hauptstadt des Aperitivo

Wenn man über die Geschichte des modernen italienischen Aperitivo spricht, kommt man an Mailand kaum vorbei.

Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Stadt zu einem wichtigen Zentrum für Handel, Mode, Kultur und Gastronomie. Auch die Tradition des Aperitivo nahm hier eine besondere Entwicklung.

Eine wichtige Rolle spielte dabei die Erfindung des Campari durch Gaspare Campari. Sein bitterer roter Likör wurde in Mailand zu einem beliebten Aperitif und trug dazu bei, die Stadt mit dieser neuen Form des gesellschaftlichen Trinkens zu verbinden.

Später kamen weitere berühmte Aperitivo-Getränke hinzu – allen voran der Aperol Spritz, der heute weltweit mit dem italienischen Lebensgefühl verbunden wird.

Mailand prägte dabei nicht nur die Getränke-, sondern auch die Bar-Kultur. Die Bar wurde zu einem Ort, an dem man sich nach der Arbeit traf, Neuigkeiten austauschte und gemeinsam den Abend begann.

Nicht umsonst wurde Mailand mit dem Slogan „Milano da bere“ verbunden – Mailand als Stadt, in der man gerne ausgeht, etwas trinkt und das Leben geniesst.

Vom Aperitivo zum Apericena

Und dann gibt es noch eine modernere Variante: den Apericena.

Das Wort ist eine Kombination aus aperitivo und cena – also Abendessen. Der Name verrät bereits, worum es geht: Aus dem kleinen Snack zum Aperitivo wird eine richtige, wenn auch informelle Mahlzeit.

Statt nur ein paar Oliven und Chips zu servieren, bieten viele Lokale ein umfangreicheres Buffet oder verschiedene kleine Gerichte an: beispielsweise Pasta, Pizza, Focaccia, Salate, Käse, Aufschnitt, Gemüse oder andere warme und kalte Spezialitäten.

Man trifft sich also zum Aperitivo – und stellt irgendwann fest, dass man eigentlich gar kein Abendessen mehr braucht.

Der Apericena ist besonders bei jüngeren Menschen beliebt und passt gut zu einem modernen Lebensstil: Man trifft Freunde, probiert verschiedene Speisen, unterhält sich und verbringt gemeinsam einen entspannten Abend.

Aperitivo ist italienische Sprache und Kultur zugleich

Wer Italienisch lernt, lernt deshalb beim Aperitivo nicht nur neue Wörter wie ordinare, bere, mangiare, chiacchierare oder offrire.

Man lernt auch etwas über die italienische Art, Zeit miteinander zu verbringen.

Vielleicht ist genau das eine der schönsten Seiten des Italienischlernens: Eine Sprache besteht nicht nur aus Grammatik und Vokabeln. Sie eröffnet den Zugang zu Gewohnheiten, Traditionen und Lebensweisen.

Und wenn Sie das nächste Mal in Italien sind und jemand fragt:

„Ci prendiamo un aperitivo?“

dann wissen Sie: Es geht wahrscheinlich um mehr als nur ein Getränk.

Es geht darum, gemeinsam den Tag ausklingen zu lassen, zu plaudern, etwas Gutes zu essen und ein bisschen italienisches Lebensgefühl zu geniessen.

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In meinen Italienischkursen geht es nicht nur um Grammatik und Vokabeln. Wir beschäftigen uns auch mit dem italienischen Alltag, der Kultur und den kleinen Besonderheiten, die Italien so faszinierend machen.

Italienisch lernen, Italien entdecken und dabei miteinander ins Gespräch kommen – benvenuti!